10/02/2013

ABENDPOESIE.

Jetzt sitz ich hier. Unter Decken verpackt auf dem Dachboden. Könnte gerade eigentlich nicht besser laufen. Der Fernseher flimmert im Hintergrund, meine Musik läuft laut, genügend Essen da, genügend Trinken da, alles gut. Unten hört mein Vater genauso laut Musik, so laut, das sie sogar fast meine übertönt. Seine und meine sind aber im Einklang. Die Beats passen zusammen. Vielleicht sollten er und ich DJ's werden. Ziehen um die Welt, Turntables im Gepäck, machen zusammen die Clubs der Metropolen unsicher. Dumme Idee, merk ich schon. Ihm kommen Clubs wahrscheinlich schon zum Hals raus. Er ist ja (zum Glück) schon aus dem Alter raus, sich grundlos auf die Jugend zu betrinken und tanzen zu gehen. Trinken aus Spaß. Trinken wegen Problemen die nur halb so groß sind wie man selbst, aber sich anfühlen wie ein Riese mit Konfektionsgröße 10.000. Trinken wegen Spannungen, die der Alkohol zu betäuben versucht und es auch schafft. Häufig jedenfalls. Ich denke wenn man besoffen im Graben liegt, hat er seine Aufgabe schon ganz gut erfüllt. Passiert ja manchmal, trotzdem drüber lachen. Ich lasse nochmal den Tag an mir vorbeiziehen. War nicht viel los. Mehr so "Ich bleibe heute mal zu Hause, so Handy auf lautlos, so geht mir jetzt alle mal am Arsch vorbei", kennt man ja. Kurzfassung: Facebook, Essen, Facebook, Zocken, Essen, Essen, Essen, Essen, Facebook, Tumblr, Essen, Zocken und so geht das immer weiter. Frise? Heut mal nicht so wichtig. Look? Leck mich doch. Im Traum ist es doch so. Jeder wünscht sich einfach nur weg zu fahren, egal wohin, egal wie lange, egal warum. Einfach weg, weit weg. So weit, das man seinen Problemen entflochtet. So weit bis das verdammte Handy keinen Empfang mehr hat. So weit bis dich die verdammten Räder unter Daddy's Karre fahren können. Soweit so gut. Nur gibt's da noch die Realität. Du hast keinen Führerschein. Du hast Verpflichtungen. Du musst auch zurück kommen. Verdammt. Dann lieber doch chillen. Weiter träumen. Andere die Reise überlassen. "One day baby, we'll be old and think of all the stories that we could have told" läuft gerade im Hintergrund. Ich frage mich welche Reisen und Geschichten ich später nachdenken kann und vor allem wer ist wir? Wir. Schönes Wort. Du und ich. Drei schöne Wörter. Er und du. Lass mal. Soweit ist es ja noch nicht. Hoffe ich. Hasse es darüber nachzudenken. Schlägt auf die Laune. Schlägt auf meinen Kopf. Schlägt auf mein Herz. Ich stell mir immer wieder die selbe Frage. Ist es schlimmer jemanden zu lieben, oder jemanden zu hassen. Im Endeffekt läuft beides nämlich aufs gleiche hinaus. Zwei Menschen verbindet Abneigung oder Zuneigung. Im besten Fall. Aber was ist nun wenn es nur einen betrifft oder wenn sich Hass und Liebe mischen. Ich glaube in Wahrheit betrinken sich Liebe und Hass jeden Tag in irgendeinem Casino und pokern um unsere Leben. Eine Vorstellung die ich eigentlich gar nicht so abwegig finde. Und dann passiert es wieder. Ich hasse die Zufallsfunktion mal wieder dafür. Ariel. Casper. Hinterland. Der Song. Es passt einfach gerade zu meiner momentanen Situation. "Wenn ich geh bin, ich doch da, solang die Band noch spielt." Wenn du geht's. Gehst du. Bist nicht mehr da. Bist weg. Bis morgen, oder so. Nächste Woche. Oder nicht? Sag's mir. Schreib mir. Aber mach wenigstens etwas. Eins gefällt mir an dem Lied aber noch besonders "Man sagt am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein. Am Ende wird alles gut und ist es nicht gut, ist es verdammt nochmal nicht das Ende. Nein!" Ich hoffe es. Ein letztes mal Facebook gecheckt. Irgendwie kann ich mich mit manchen Posts nicht anfreunden. Sowas wie: "Wir kennen uns seit einer Woche und sind jetzt schon beste Freunde." Für mich ist beste Freundschaft wenn man jeden verdammten Fehler des anderen kennt. Jede Reaktion einschätzen kann. Mit dem man Geschichte geschrieben hat. Höhen und Tiefen erlebt hat. Jeden scheiß Ort der Stadt mit ihm gesehen hat. Den anderen liebt. Das alles in einer Woche? Äh nein, aber bleibt ruhig bei eurer Illusion. Vielleicht versteht ihr aber auch was anderes unter "Beste Freunde". Keine Ahnung. Was jetzt? Noch was essen, klingt gut. Ich steh auf. Zu schnell. Dieses Schwindelgefühl schon wieder, wenn man zu schnell aufsteht. Ist das dahinten deine Silhouette? Fuck ich muss auch noch was trinken. Hat sich aber gut angefühlt. Sehr gut.
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Ariel. Der Song der mich in letzter Zeit am meisten geprägt hat. Danke Cas, du sprichst mir aus der Seele.
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xo, js 


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