11/04/2013

DIE EINE MINUTE MIT DIR.

Du erwartest. Ich warte. Du verlangst. Ich belange. Wir wollen beide eine Antwort. Beide eine andere, oder doch die gleiche? Ich weiß es nicht. Im Hintergrund leise Musik. Perfekte Atmosphäre um sich auszusprechen. Fast wie im Film. Mein Gehirn setzt Wörter zusammen, setzt sie in den richtigen Syntax. Ne scheiße und nochmals von vorn. Was dein Gehirn macht fragt sich mein Gehirn und hoffentlich auch umgekehrt. Zusammen schweigen wir so laut, man könnte fast die Synapsen rattern hören. Kommt da noch was? War da nicht noch was? Komm schon, hau raus, denken wir beide, aber niemand fühlt sich verantwortlich den ersten Schritt zu machen. "Die Luft ist ganz schön stickig, findest du nicht auch?" - "Hm." Ich muster dich. Du wirkst angespannt, bin selbst eigentlich gelassen, glaub ich jedenfalls. Dein Handy vibriert. Heute ist das Raufgucken wichtiger, als der persönliche Kontakt, darum schaust du rauf, schmunzelst und steckst es wieder in deine Jeans. Verdammt, scheiße, fucking. Hör auf damit! Provozierst du jetzt? Wer war das? Was wollte er? Was wollen alle? Was willst du von mir. Okay, calm down, wieder von vorne. Ich hole meins raus. Wiederhol ihren Vorgang. So wie du mir, so ich dir. Im Endeffekt war's sinnlos, merke ich danach, aber vielleicht hatte sie wenigstens ansatzweise den gleichen Gedankenzug wie ich. Was sag ich jetzt? Deine Mimik und Gestik verrät dich nicht, starr, abgeklungen, aber dennoch warm. Ich würde dich sofort meinen Eltern vorstellen. Es ist deine Aura die dich trotz all dem ganzen Scheiß der in letzter Zeit passiert ist so angenehm macht. Nichts desto trotz warten wir beide schon knapp ne halbe Minute. Peinliches Schweigen. Rette mich, schreie ich stumm. Hilf mir, brülle ich monoton. "Okay, ich muss dann auch schon wieder los." Ich lächle. Zum Glück erwiderst du. Hab mich in letzter Zeit darauf konzentriert öfters mal zu lächeln, hilft allemal. Ich streiche mir kurz durch die Haare, du blickst weg. Was übrigens oft passiert. Wir schaffen es nicht ein mal uns fünf Sekunden non stop mäßig in die Augen zu sehen. "Gut okay, ich geh dann mal." - "Okay, bis dann." Ich trete ein Schritt an dich ran. Gott dein Parfüm riecht so gut. Küsschen rechts, Abwendung und bye bye. Ich weiß nicht wie ich mich jetzt fühlen soll. Gut, weil die verdammte Situation jetzt vorbei ist, oder schlecht weil ich nicht die Konservation geführt habe, die ich mir erwartet hätte. Ich sag mir, egal, war ja nur eine Minute. 60 Sekunden. Beim nächsten mal, werden es vielleicht schon zwei.

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